1.Teil – Morgen sind es drei Monate. Alltag und Routine setzen ein, das Leben geht seinen Weg!

Wow, ein Monat ist vergangen seit meinem letzten Bericht. Ich habe es wahrscheinlich bereits öfters erwähnt, aber die Zeit verfliegt, es ist kaum zu glauben!
Innerhalb des letzten Monats sind wieder so viele Dinge geschehen, ich werde sicherlich einiges vergessen in diesem Bericht unterzubringen, aber es reicht ja wenn ihr einen generellen Eindruck bekommt. Aber im Voraus: dies wird ein langer Bericht. Ich werde ihn in mehrere separate Abschnitte einteilen und anschließend noch kurz über meine Arbeit und das Leben in Südafrika schreiben.

– Depressions call for patience. –
All of a sudden the river runs into a kind of hole and stops flowing as joyfully as before. At such moments the only way out is to rely on the help of time. When the right moment arrives, the depression fills up and the water can move ahead. Instead of an ugly, lifeless hole, now there is a lake that others can look on with happiness.

Die abschließende Zeit bei den Stainers

Oktober in Johannesburg. Der Sommer beginnt. Alles blüht, überall wunderschöne Farben (hmm, sehe ich ja gar nicht als Farbenblinder…;-), die Strassen sind gepflastert mit Blüten, die Sonne strahlt, was kann man sich mehr wünschen.
Ich verbringe jetzt öfters meine Mittagspause im nahe liegenden Subway, sitze in der Sonne schlürfe nen Kaffee, lese, und beobachte das Treiben im Rosbank Business Viertel. Ist schon beeindruckend was für eine lebendige, pulsierende Stadt Joburg ist. Hier ist immer was los.
Wenn ich Glück habe werde ich nächstes Wochenende zu einem Kricket-Match gehen. Nicht weit entfernt von meinem zu Hause hier, gleich neben meinem Fitnessstudio, befindet sich ein Kricket Stadion. Bis vor kurzem bin ich davon ausgegangen, dass dort nur lokale Teams spielen, doch jetzt ist mir klar, dass es das bedeutendste Kricketstadion in Südafrika ist, schon verrückt! Nächste Woche spielen Südafrika und Indien – Indien mit Sachin Tendulkar – einem der besten Kricketbatsman – „Sachin Tendulkar, Sachin Tendulkar!“
In drei Monaten bin ich zum großen Kricket Liebhaber geworden, interessiere mich für Rugby und verfolge enthusiastisch die englische Premier League. Ich nehme jetzt sogar bei so einem Online Manager Spiel teil, zusammen mit Jeremy aus meinem Büro.
Vor meiner Ankunft in Südafrika wusste ich praktisch nichts über Kricket und Rugby und jetzt habe ich diese Sportarten schätzen gelernt. Ich hoffe, dass Kricket irgendwann auch in weiteren Ländern an Popularität gewinnt. Geniales Spiel. Aber auch etwas verrückt, ein Spiel dauert mindestens einen Tag und maximal fünf Tage. Haha 
Ich erinnere mich auch noch sehr gut an das letzte Rennen von Schumacher. Ich habe es zusammen mit David geschaut. Was für ein Rennen….ich war schon lange nicht mehr so aufgeregt und emotional bei der Sache. Unglaublich, und auch etwas traurig. Das war eines der genialsten Rennen von Schumi! Das hat mal wieder richtig Spass gemacht, und mich vielleicht sogar überzeugt weiterhin Formel 1 zu schauen.
Kurz bevor Jan Cronje nach Göttingen abgereist ist (siehe letzter Bericht), wurde ich von meinen jetzigen Gasteltern, seinen Eltern zum Dinner eingeladen. Ich habe Jan die DVD von Göttingen gezeigt und ihn ein wenig auf seine Zeit in Göttingen eingestimmt. Das war auch der erste Abend an dem ich meine zukünftigen/ jetzigen Gasteltern Christin und Willem kennen gelernt habe.
Gegen Ende Oktober kam der Zeitpunkt immer näher die Familie zu wechseln. Meine letzten Wochen/Tage mit den Stainers begannen. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich sehr wohl gefühlt und ich fühlte mich als Teil der Familie. Aber es war eine Abmachung, und die Stainers hatten sich auf 3 Monate eingestellt.
An einem Wochenende traf ich mich mit Greg und ein paar von seinen Freunden. Wir verbrachten den Nachmittag in einem Pub und schauten das Curry-Cup Rugby Finale. Das erste Finale, das ich erlebt habe, welches am Ende zwei Sieger hatte. Nach dem Ende der Nachspielzeit hatten beide Teams den gleichen Punktestand, was im Rugby eigentlich nie vorkommt, und es gibt keine Regelung wie im Fußball, das ein Elfmeterschießen oder so die Entscheidung bringt. Also mussten sich beide Teams den Pokal auf dem Siegerpodest teilen. Was für ein komisches Bild, und irgendwie war niemand zufrieden damit. Verständlich!
Nach dem Spiel kauften wir noch ein paar Sachen zum Grillen ein und veranstalteten einen Braai in Gregs Garten. Unter seinen Freunden war auch ein Australier. Ich muss sagen der australische Slang ist zum Totlachen. ‚How’s it hanging, bud?’ Wir machten ein Lagerfeuer, einige Weinflaschen machten die Runde und passend zur Atmosphäre holten wir Gitarren und Trommeln raus und begannen zu musizieren.
Als sich die Runde später langsam auflöste, entschieden Greg und ich uns noch auszugehen und ein wenig Party zu machen. Zunächst mussten wir aber Mr. Australia zu seinem Hotel in Sandton bringen. Es war das erste Mal das ich durch Sandton gefahren bin. Es ist das Viertel der Reichen und Schönen in Johannesburg. Ich habe noch nie so viele Ferraris, Porsche, Lamborghini, Bentleys oder was auch immer an Luxuskarossen auf einem Haufen gesehen. Luxushotels und –häuser, da kann man nur staunend aus dem Autofenster schauen….na ja jedenfalls, endeten wir danach in einer Karaokebar, und als diese dicht machte, fuhren wir noch zum Club ‚The Doors’, wo endlich auch vernünftige gute Musik lief. Als ich irgendwann am nächsten Morgen dann wieder zu Hause ankam, habe ich es nicht mehr ganz ins Bett geschafft, sondern bin auf dem Sofa eingeschlafen, wo ich dann kurz danach von David in den Sonntagmorgen begrüßt wurde. Ich entschied mich aber erst einmal ‚Gute Nacht’ zu sagen.
Das Wochenende eine Woche vor meinem Umzug zu den Cronjes verbrachte ich mit David und Judy in ihrem Ferienhaus, ca. eine Stunde entfernt von Johannesburg. Es liegt direkt an einem künstlichen See, welcher durch einen großen Staudamm angelegt wurde. Es ist teil einer Ferienanlage, sehr ruhig und friedlich, echt mal eine Abwechslung zu Joburg. Dort konnte ich auch endlich ein wenig spazieren gehen. Fühlte ich mich gleich wieder irgendwie freier. Das Wochenende war einfach unglaublich chillig, entspannt und erholsam. Ich hatte mir einiges zum Lesen mitgenommen. Den Samstagnachmittag verbrachten David und ich aber im nahe liegenden typisch südafrikanischen Pub, direkt an einem kleinen Hafen, wo wir uns genüsslich ein paar Bierchen gönnten und auf zwei Fernsehern parallel, Kricket und das Chelsea Match verfolgten. Leider hatte ich am Freitag meine Kamera an eine Arbeitskollegin verliehen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich übers Wochenende unterwegs sein würde. Darüber habe ich mich dann doch geärgert, weil das Ferienhaus in solch einer wunderschönen Umgebung liegt. Die Atmosphäre war so idyllisch, ich kann es nur schlecht in Worten beschreiben. Deshalb hätte ich gerne Bilder gemacht, um euch einen Eindruck geben zu können. Ich würde es mit Italien vergleichen. Solch eine Ruhe, abgelegen von allem Trubel, direkt am Wasser, warme Temperaturen…..perfekt! Am Abend sind wir dann in so eine Bikerbar zum Abendessen gefahren, was nicht unbedingt die beste Wahl war. Wir waren die einzigen Gäste, die Kellnerin war damit bereits überfordert, der Rotwein wurde in einem Eimer mit Eis serviert, das Essen (Hamburger) war nicht besonders gut und nebenbei lief auch noch VH1, argh! Der Abend danach war aber umso besser, wir machten es uns auf der Veranda in Liegen bequem und ich legte YES auf, das war ein Trip. Später bin ich dann noch in der Dunkelheit runter zum Wasser gegangen, habe auf meinem MP3 Player Genesis – Selling England By The Pound – aufgelegt und den Augenblick genossen. Nach einer angenehmen Nacht, begann der nächste Tag mit einem ausgiebigen Brunch, es gibt keinen bessern Start in den Sonntag!
Während meiner Zeit bei den Stainers konnte ich auch die Erfahrung machen, dass es in Südafrika regelmäßig zu Stromausfällen kommt. Das regt hier schon lange niemanden mehr auf, und es gehört zur Routine. Das ein oder andere Mal habe ich es bereits miterlebt. Ein Wochenende lang ohne Strom, passt schon, da kommt man zumindest mal zum Lesen, reden, und in der Sonne sitzen. Es hat alles auch seine Vorteile. Wenn abends der Strom ausfiel zündeten wir Kerzen an, und plötzlich hatte man eine ganz besondere Atmosphäre auf der Veranda an einem schönen, angenehmen Abend in Johannesburg. Während der Arbeitszeit oder während man im Auto sitzt ist es dagegen sehr störend, da man nicht mehr seiner Arbeit nachgehen kann, oder im Verkehrchaos steckt. Aber es ist Bestandteil des Lebens in Afrika!
Ein paar Tage vor meinem Umzug kam Emily (Gastschwester) aus England zurück. Sie war für ein paar Wochen zurückgeflogen, da sie dort eine Ausstellung durchführen sollte.
Die letzten Tage habe ich nochmals vollkommen genossen und mir ist klar geworden, dass die Stainers die ideale Gastfamilie für mich waren. Zum Abschluss habe ich eine Fotokollage und Dankeskarten kreiert und außerdem noch einen ausführlichen Brief geschrieben, in dem ich mich für die wundervolle Zeit mit ihnen bedankte. Am letzten Abend sind wir nochmals zum Essen ausgegangen, und es war eine besondere Atmosphäre. Die Chemie passte einfach perfekt. Ich muss sagen es war nicht leicht zu gehen, aber ich konnte sie leider nicht mehr umstimmen, obwohl sie mir auch immer wieder sagten wie gerne sie mich haben, wie sehr sie die Zeit genossen haben. Es war aber eine Abmachung die am Anfang getroffen wurde, sie hatten sich auf drei Monate eingestellt, und in den nächsten Wochen haben sie viel um die Ohren. Emilys Hochzeit steht an, und dazu kommt auch noch die Diagnose, dass David (Gastvater) Krebs hat, was uns alle ziemlich erschüttert hat. Ein weiterer Grund, der es mir nicht leicht gemacht hat in diesem Moment zu gehen. Es tut mir weh, dass es ausgerechnet David erwischen muss, solch ein lieber Mensch, ein klasse Vater, und guter Freund. Ich kann abschließend sagen, dass ich eine geniale Zeit mit den Stainers erlebt habe. Ich kann ihnen nicht genug danken. Ich habe den südafrikanisch-britisch-kolonialen Lebensstil kennen und lieben gelernt.
Mehr über meinen Umzug, meine neue Familie, und meine weiteren Erfahrungen im nächsten Abschnitt.

Advertisements

Please leave comments and feedback here

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: