3. Teil – Zwei Wochen – sturmfreie Bude! (siehe 1.Teil und 2.Teil bevor du hier liest!)

-Although we are unique, soon we shall be many.-
As we travel on, the waters from other sources join us, because that is the best path to follow. So we are no longer just one, but many – and there comes a moment when we feel lost. Nevertheless, as the Bible says, “all the rivers flow to the sea”. It is impossible to remain in our solitude, however romantic that may seem. When we accept the inevitable encounter with other sources, we end up understanding that this makes us far stronger and we get round obstacles or fill in depressions much more easily and in far less time.

Eine Woche nach meinem Einzug bei den Cronjes begaben sie sich auf eine zweiwöchige Reise. Sie hatten mich aber bereits frühzeitig benachrichtigt, so dass es keine Überraschung für mich war. Die folgenden 14 Tage sollte ich also das Haus für mich alleine haben.
Der Grund für ihre Reise war, dass Willem an einer Wandertour ‚Ottertrail’ an der Küste von Südafrika teilnehmen wollte. Ihren Erzählungen nach ist es eine große körperliche Herausforderung, aber auch ein unvergessliches Erlebnis in einer unglaublichen Landschaft. Willem war seit Wochen dabei sich für die Wanderung vorzubereiten und die nötige Fitness aufzubauen. Für jemanden in seinem Alter ist es eine absolut bemerkenswerte Leistung. Christine wollte in der Zeit ihre Familie in Kapstadt besuchen.
Bevor sie abreisten sorgte Christine noch dafür, dass der Kühlschrank und Vorratsraum gefüllt mit Essen war, damit ich auch nicht verhungern würde. Die ersten Tage habe ich erst mal gemerkt wie sehr ich mich daran gewöhnt habe, dass für mich gekocht wird und alle Hausarbeiten für mich erledigt werden. Unsere Maid war nämlich krank während der zwei Wochen. Wenn man sich für längere Zeit keine Gedanken über diese Dinge machen muss, dann merkt man sobald man plötzlich wieder selber aktiv werden muss, wie schnell man Dinge, meist Kleinigkeiten, vergisst oder verlernt und sie einem nicht mehr so einfach von der Hand kommen.
Dinge die in Deutschland oder den USA mal mehr mal weniger selbstverständlich für mich waren, wie für mich kochen, abwaschen, aufräumen, Wäsche waschen, einkaufen, sich um die Haustiere kümmern, etc waren die ersten Tage eine kleine Herausforderung für mich. Ich habe dann immer den Weg mit dem geringsten Aufwand gewählt.
Aber nach kurzer Zeit gewöhnte ich mich an das Leben alleine in dem großen Haus und die Zeit verflog ohne dass ich es bemerkte. Ich genoss vor allem, dass ich keine Rücksicht auf andere Mitbewohner nehmen musste, mich an keine Familienzeiten richten musste und einfach mal zu gammeln und zu tun worauf ich Lust hatte. Musikanlage mit meiner Musik gefüttert und voll aufgedreht, den ganzen Tag Fußball im TV laufen lassen, und gammelig ungepflegt durchs Haus laufen.
Wenn man dann nach langer Zeit wieder auf sich alleine gestellt ist, und auch am Abend niemanden um sich herum hat mit dem man reden kann oder abgelenkt ist, dann beginnt man nachzudenken. Ich hatte die ersten zwei Wochen in meiner neuen Familie doch so meine Probleme. Ich fühlte mich nicht wohl und hatte immer ein Gefühl des Unbehagen. Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, dass ich Schwierigkeiten habe hier engere Kontakte aufzubauen. Ich komme nur sehr selten in Kontakt mit Menschen in meinem Alter. Normalerweise bin ich jemand der kein Problem hat alleine zu sein, aber speziell in der Zeit habe ich es doch vermisst mit meinen engen Freunden zusammen zu sein. Ich habe auch gemerkt, dass ich morgens schwierig aus dem Bett komme, was bei mir immer ein Zeichen für Motivationsprobleme ist. Auch in der Arbeit hat es mir plötzlich nicht mehr so viel Spass gemacht. Ich denke es war alles Bestandteil der Umgewöhnungsphase des Familienwechsels. Man muss sich erst einmal einen neuen stabilen Rückhalt aufbauen. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich einen harmonischen, stabilen Rückhalt habe, wo ich mich entspannen und erholen kann von den Aufgaben und Hürden des Alltags. Sobald ich mich an meine neue Umgebung gewöhnt habe, und meinen Raum gefunden habe, kann ich mich wieder voll auf andere Dinge konzentrieren und mache mir über bestimmte Dinge weniger einen Kopf.
An einem Tag hatte ich mir in den Kopf gesetzt mal einen CD Laden aufzusuchen, und mir ein paar aktuelle Alben zu besorgen. Ich ging während meiner Mittagspause zur Rosebank Mall. Im CD Geschäft sprach ich den nächsten Verkäufer an, ob er auf deren System prüfen könnte, ob sie meine gewünschten Alben vor Ort haben. Es stellte sich heraus, dass sie keine CD von meiner Liste hatten. Ich kam ins Gespräch mit dem Verkäufer, ein weiterer Angestellter kam dazu und plötzlich diskutierten wir über ProgRock, Musik aus den 70igern und waren genau auf einer Wellenlänge. Die Leute hier sind so offen, ich hielt mich doch tatsächlich fast 2h in dem Laden auf, diskutierte über das Leben und vergaß vollkommen die Zeit. Am Ende hatte ich dann zwei Alben gekauft (The Mars Volta EP, neue CD Audioslave) und weitere drei CDs bestellt. Das nenne ich dann kleiner Shopping-Flash.
An einem weiteren Abend besuchte ich meine Chefin Carolyn und ihren Ehemann Frans in ihrem zu Hause zum Dinner. Der Securityguard von den Stainers (Reeson) lebt auch bei ihnen. Frans schmiss den Grill an um Chicken zuzubereiten und ich unterhielt mich mit ihm und Reeson über die WM, die kommende WM in Südafrika und meine bisherigen Erfahrungen. Frans arbeitete eine Zeit lang als Polizist in Johannesburg, und er erzählte, dass es einer der schlechtbezahltesten und natürlich gefährlichsten Jobs in Südafrika ist. Er selber ist ein Waffenliebhaber, aber was er in der Zeit erlebt hat möchte er mit niemandem Teilen. Er hat die schrecklichsten Verbrechen bezeugen müssen, und war froh als er einen neuen Job gefunden hatte. Carolyn hat sechs Hunde, einer größer als der Andere. Normalerweise komme ich mit allen Tieren super aus, aber einer der Hunde fühlte sich irgendwie bedroht durch mich und sprang mich an, schaffte es aber glücklicherweise nicht mich zu beißen – puh was für ein Schreck! Das Essen war sehr gut, endlich mal wieder ordentlich amerikanisch Barbecue Chicken.
Am folgenden Abend wurde ich von den Stainers zum Essen eingeladen (so habe ich mich über Wasser gehalten!). Was ich nicht wusste war, dass Sean, Emilys Verlobter, aus England zurückgekommen ist. Ich lernte ihn kennen, das Essen war Mal wieder super (Makkaroni mit Käse überbacken von Emily) und wir hatten einen sehr amüsanten und angenehmen Abend. Emily und Sean luden mich dann auch gleich ein mit ihnen und Greg am nächsten Wochenende Rugby zu schauen. Wir trafen uns mit Greg in seinem Lieblings-Pub, wo ich mit ihm schon mal Rugby geschaut habe. An diesem Abend spielte Südafrika gegen Irland. Südafrika verlor, und spielte enttäuschend was uns zum Trinken anspornte. Emily und Sean verließen uns relativ früh, und ich entschied mich noch zusammen mit Greg und seiner Freundin etwas länger zu bleiben. Ich hatte an diesem Tag nicht viel im Magen gehabt und war deshalb am Ende doch ganz schon angetrunken, was zu der lustigen Runde aber nicht schadete. Am nächsten Tag hatte ich einen heftigen Hangover. Ich verbrachte die Nacht, wie so typisch nachdem ich getrunken habe, auf dem Sofa und wurde am nächsten Tag unpassenderweise von der Hausmaklerin und zwei Interessenten, welche doch etwas verdutzt schauten, aus meinem Schlaf geweckt. Das war ein wenig peinlich, ich konnte mir aber das Lachen fast nicht verkneifen; was muss man denken, wenn man sich ein Haus anschaut, und findet dort einen betrunkenen Deutschen auf dem Sofa liegend.
Während der zwei Wochen alleine entschied ich mich nach einem DVD Verleih zu suchen. Im TV läuft momentan nichts interessantes mehr, und ich hatte doch das Interesse Mal wieder ein paar gute Serien zu schauen. An einem Tag nach der Arbeit entschied ich mich nach dem mir von Jeremy empfohlenen Video Store zu suchen. Ich stieg ins Auto ein und begab mich in den Feierabend Verkehr on Johannesburg. Ich dachte ich könnte schnell Mal zu diesem Geschäft fahren und mich informieren, und wäre dann schnell wieder zu Hause aber es dauerte dann doch 2h um den Laden zu erreichen. Darauf muss man sich hier in Joburg einstellen, die Strassen sind immer überfüllt. Dazu kommt, dass es auch sehr stressig ist hier Auto zu fahren. Viel Verkehr, unübersichtliche Strassen, Markierungen und Verkehrsschilder und verrückte und ungeduldige Joburger Autofahrer. Ich dachte schon ich hätte mich verfahren, was einem in Joburg nicht passieren sollte, entschied mich dann bei der nächsten Gegebenheit anzuhalten, und landete direkt auf dem Parkplatz von dem Einkaufsgelände wo auch der Video Store ist. Was für ein Glück! Nachdem ich mich ein wenig umgeschaut hatte, fragte ich am Tresen nach, ob ich mich anmelden müsste. Eine nette Frau nach meiner Einschätzung in meinem Alter war mir behilflich beim Ausfüllen der Unterlagen. Als sie dann nach meiner ID fragte und ich meinen deutschen Personalausweis rausholte fragt sie mich plötzlich auf Deutsch, ob ich aus Deutschland käme. Es stellte sich heraus, dass sie perfekt deutsch spricht. Sie hat eine deutsche Mutter, ist aber in Südafrika geboren, war noch nie in Deutschland. So schnell macht man neue Bekanntschaften. Sie gab mir noch eine Tour durch den Laden, erklärte mir alles, und wir tauschten Nummern aus. Vielleicht kann ich ja noch ein paar neue Kontakte knüpfen. Ich entschied mich dann zwei DVDs von der zweiten Staffel Sopranos auszuleihen.
Wie bereits erwähnt vergingen die zwei Wochen sehr schnell. Ich gewöhnte mich schnell an das eigenständige Leben, und als meine Gasteltern wiederkamen, vermisste ich sogar die Ruhe und Freiheit, die ich doch sehr genossen hatte.

Zum Abschluss möchte ich noch schnell aufschließen zum heutigen Tag.
Es ist Samstag der 18. November. Meine Gasteltern sind seit letztem Dienstag wieder zurück. Ich habe mich eingelebt und bin zufrieden mit meiner momentanen Situation hier in Südafrika. Ich komme gerade wieder aus dem Kino. Habe mir den Film ‚An Inconvenient Truth’ von Al Gore angeschaut. Ich kann den Film empfehlen. Er regt an sich mit dem Thema zu beschäftigen und sich seine eigenen Gedanken zu machen. Es ist natürlich eine amerikanische Sichtweise auf das Problem der globalen Erwärmung, aber vielleicht gerade deshalb auch sehr interessant.
In den letzten Wochen regnet es hier öfters. Die Regenzeit hat begonnen. Es ist schon vorgekommen das es drei Tage ohne Pause Tag und Nacht geregnet hat. Es ist trotzdem sehr warm, aber irgendwie ungemütlich, aber ich bin wahrscheinlich schon zu verwöhnt von dem Wetter hier.
Gestern Nacht bin ich in meinem Zimmer auf eine unglaublich riesige Spinne gestoßen. Das sind so genannte Regenspinnen, habe ich mir von Willem erklären lassen. Ich habe so einen Schock bekommen, da ich nicht damit gerechnet habe und noch nie solch eine Spinne gesehen habe. Ich hatte mich schon entschieden auf dem Sofa zu schlafen, habe dann aber noch gesehen, dass die Spinne aus meinem Zimmer ins Badezimmer gewandert ist und habe mich schnell in meinem Zimmer verbarrikadiert. Das ist doch eine der schlimmsten Ängste die ich habe. Ich hasse Spinnen. Wer mich kennt kann sich diese Situation wahrscheinlich gut vorstellen.
Ich bin in den letzten Wochen doch etwas faul geworden was Sport angeht. Im September bin ich noch jeden Tag ins Fitnessstudio gegangen, jetzt hat es sich doch auf ein Minimum reduziert. Das muss ich wieder ändern, da es doch einen sehr positiven Effekt auf mich hat, wenn ich regelmäßig Bewegung bekomme.
Ich bin dabei Informationen zu sammeln, was meine Planungen für mein Studium betrifft und muss mich demnächst auch intensiver mit der Umsetzung meiner Vorstellungen für das nächste Jahr nach meiner Rückkehr aus Südafrika beschäftigen. Ich plane derzeit, dass ich Ende Juli für 1-2 Monate nach Deutschland zurückkomme und dann innerhalb von 6-7 Monaten ein Kurzdiplom in Convention Management und ein Praktikum im Bereich Eventmanagement in Kanada bestreite. Ich muss schauen wie ich das Geld dafür zusammensparen kann, aber ich denke es ist möglich und wichtig als Vorbereitung für mein Studium und die Verwirklichung meiner Vorstellungen über meine Zukunft. Nach diesem Semesterprogramm hätte ich dann noch einige Monate um mein Studium zu planen und die nötigen Schritte dafür umzusetzen. Ich denke, dass ich mich für einen Studiengang in Leisure, Event, Culture, Media, Entertainment Management entscheiden werde. Ich weis, dass diese Programme momentan etwas überlaufen sind, aber bin davon überzeugt, dass es am besten zu mir passt und meine Interessensgebiete ideal verbindet. Es wäre gut, wenn ich weitere Alternativen für mich finden würde, aber momentan sehe ich dies als meinen einzigen Weg. Ich könnte mir vorstellen in Deutschland, Österreich, Holland oder England zu studieren. Wir werden sehen, wo es mich dann letztendlich hin verschlägt.

Bis dahin habe ich noch 9 Monate hier in Südafrika, welche ich mit Sicherheit genießen werde. Ich bin sehr froh darüber dieses Jahr ermöglicht bekommen zu haben, ich schätze es sehr und bin mir über den Wert im Klaren.

Im folgenden vierten Abschnitten werde ich etwas mehr über meine Arbeit bei AFS Interculture Südafrika berichten.

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