Interessanter Artikel ueber Studium in SUedafrika!

Alles andere als schwarz-weiß

Xhosa und Englisch, afrikanische und westliche Kultur, Schwarze und Weiße: Wer ein Semester in Südafrika verbringt, taucht in mehrere Welten gleichzeitig ein.

University of Port Elizabeth: Viel Auswahl für Studenten

Bunt ist schon das akademische Angebot in Port Elizabeth – von den Einheimischen schlicht “PE” genannt. Die University of Port Elizabeth (UPE) bietet das ganze Fächerspektrum von Architektur bis Sozialwissenschaften, von Naturwissenschaften bis Informatik.

Wer hier studiert, genießt nicht nur die einzigartige Möglichkeit, den afrikanischen Kontinent kennen zu lernen. Im Vergleich zu anderen englischsprachigen Traumzielen des mobilen Studenten wie den USA, Australien oder Neuseeland ist Südafrika unglaublich günstig. Die Gebühren für ein Semester belaufen sich gerade einmal auf 500 bis 1000 Euro, und auch die Lebenshaltungskosten sind niedrig.

Akademisch gehört die UPE innerhalb Südafrikas zwar eher zur zweiten Garde. Führend sind in den meisten Disziplinen nach wie vor die ehemaligen Kaderschmieden aus Apartheidszeiten in Grahamstown, Kapstadt und Stellenbosch. Das befürchtete afrikanische Organisations-Chaos blitzte an der UPE jedoch zum Glück nur gelegentlich auf.

Gaststudenten können sich halbwegs sicher fühlen

Bei der berüchtigten “Pre-registration” dauerte die Wartezeit in der Sporthalle zwar zwölf Stunden. Doch solches Schlangestehen blieb die Ausnahme. Schwierig hatte sich allerdings selbst im Zeitalter der E-Mails die Vorbereitung des Aufenthalts von Deutschland aus gestaltet. Wenn überhaupt Informationen zurück kamen, dann waren sie nicht selten widersprüchlich.

Löwen gehören zu Afrika: Unser Autor Christoph Scheld
Nach vollbrachten Formalitäten fallen die Unterschiede zum deutschen Hochschulbetrieb sofort ins Auge. Ungewohnt für deutsche Studenten ist das in Südafrika übliche Hochschulsponsoring: Die Sporthalle ist nach dem größten Mobilfunkbetreiber des Landes benannt, und der Computersaal wurde auf den Namen einer großen südafrikanischen Bank getauft. Dafür ist er dank der prominenten Hilfe bestens ausgerüstet – und überdies rund um die Uhr zugänglich.

Jeder, der nach Südafrika reist, setzt sich mit dem Thema “Sicherheit” auseinander. In den ersten Wochen des Semesters, wenn alle Studenten ihre Gebühren bezahlen müssen, wird die Uni-Kasse von Sicherheitsbeamten mit Maschinengewehren bewacht. Doch Beklemmungsgefühle sind überflüssig: Insgesamt kann man sich in PE frei bewegen und sicher fühlen. Kaum einer der internationalen Studenten kehrt zwar in sein Land zurück, ohne seine eigene kleine Erfahrung mit der Kriminalität gemacht zu haben. Klassischer Fall: Das Handy ist plötzlich weg. So dramatisch wie in den Metropolen Johannesburg, Kapstadt oder Durban ist die Kriminalität in Port Elizabeth aber nicht.

40 Prozent der Studenten HIV-positiv

Das zweite große Thema ist Aids. Die Uni bemüht sich um Aufklärung. Das muss sie auch, denn 40 Prozent der Studenten sind nach Schätzungen mit dem HI-Virus infiziert. Unübersehbar sind im ganzen Land die großen Werbeplakate, die auf die Gefahr aufmerksam machen. An der Uni werden kostenlos Kondome verteilt.

Die Apartheid wirkt fort: Im Township Soweto
Wer den Südafrikanern unvoreingenommen begegnet, wird schnell Freunde finden – unter Schwarzen, Weißen und den “coloureds” genannten Farbigen. Dank vielfältiger Kontakte bildet sich so nach einigen Monaten das Mosaik eines Landes im Umbruch heraus, in dem jede Bevölkerungsgruppe ihre eigenen, ernst zu nehmenden Sorgen und Nöte hat. Keiner ist hier gut oder böse, niemand hat per se Recht oder Unrecht.

Die meisten Kommentare zur Lage des Landes sind vorhersagbar. Die Schwarzen machen die Apartheid für ihr schlechtes Leben verantwortlich. Die Weißen werden nicht müde zu betonen, dass in Südafrika nichts mehr funktioniere, seitdem “der schwarze Mann” das Land regiert. Für die Farbigen war die Lage während der Apartheid schwierig und ist nach deren Ende nicht leichter geworden. Nach wie vor sitzen sie zwischen allen Stühlen.

In der Disco sind alle Weißen Ausländer

Nur acht Stunden Fahrt von PE entfernt: Die Metropole Kapstadt
Nach fast zehn Jahren ist die Rassentrennung noch immer allgegenwärtig. Die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit durch die weiße Minderheit hat natürlich ihre Spuren hinterlassen – in den Wohngebieten wie im Nachtleben, an der Uni wie im Sport. Ein weißer Südafrikaner fährt niemals mit dem Minibus-Taxi, denn das ist “black transport”. In den schwarzen Discos der Innenstadt kann man die weißen Gäste an einer Hand abzählen und sich dabei relativ sicher sein, dass sie keine Südafrikaner sind. Umgekehrt bleiben die besseren Vororte mit ihren Mauern, Zäunen und privaten Sicherheitsdiensten fest in weißer Hand.

Fanatisch werden die Südafrikaner bei internationalen Sportereignissen, die es bis zum Ende der Apartheid für sie praktisch nicht gab. Was für ein Erlebnis, als die Fußballmannschaft von Trinidad und Tobago gegen die südafrikanische Nationalelf spielte – beobachtet von vielleicht zwölf weißen Zuschauern inmitten von 20.000 schwarzen Fans. “Bafana bafana” nennen die Südafrikaner ihr Team. Fußball ist “black sport”.

Engagement im Township

Am Ende eine Rundreise: Szene aus Lesotho
Armut und Reichtum liegen in Südafrika dicht beieinander. In den überwiegend weißen Vororten sind Swimming Pools und Bedienstete keine Seltenheit. In den Townships am Stadtrand dagegen teilen sich bisweilen mehrere Hundert Menschen einen einzigen Wasserhahn. Zu Apartheidszeiten mussten alle Schwarzen per Gesetz hier leben. Nach neun Jahren Demokratie wohnen immer noch viele in Bretterhütten und Wellblechverschlägen – ohne Strom und Wasser, Bildung und Arbeit. In den letzten Jahren hat sich zwar schon viel verbessert, doch die meisten Bewohner der Townships sind auf Hilfe von außen angewiesen.

Einen kleinen Beitrag leistet ein Jugendprojekt, das vor einigen Jahren mit deutscher Hilfe gegründet wurde. Heute gibt die Töpferwerkstatt gut 25 Menschen Arbeit. Jugendliche sammeln an gespendeten Computern erste Erfahrungen mit der modernen Technik. Kinder werden vormittags betreut und können zur Tanzgruppe kommen oder im Chor singen. Und internationale Studenten der Uni können in dem Projekt ihre Fähigkeiten einbringen und zugleich einen Einblick in das Leben der Townships bekommen. Nach weißen Südafrikanern sucht man allerdings vergebens.

Buntes Land voller Gegensätze: Südafrika
Studium und solches Engagement nehmen viel Zeit in Anspruch, doch auch der Freizeitwert von Port Elizabeth ist nicht zu unterschätzen. Der “Addo Elephant Park” liegt geradezu vor der Haustür, der Stand ist meist nur einen Spaziergang entfernt – und auch die Metropole Kapstadt ist nur eine achtstündige Reise weit weg. Spätestens nach den Abschlussklausuren locken die mannigfaltigen touristischen Ziele des Landes, um einen spannenden Aufenthalt in einer völlig anderen Welt abzurunden.

Denn Südafrika ist so bunt und vielseitig wie ein Regenbogen. Und nicht schwarz-weiß.

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One response

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