Bachelor und Beruf – “Wer wenig erwartet, wird nicht enttäuscht” – Von Christoph Titz

Gute Nachricht für Bachelor-Studenten: In den Arbeitsmarkt fädeln sie sich fast problemlos ein, zeigt eine neue Absolventenstudie. Allerdings studieren die meisten weiter, nur ein Viertel der Absolventen wagt sofort den Schritt in den Beruf – mit Abstrichen bei Gehalt und Jobsicherheit.

Bei der Bologna-Reform, der Umstellung von Diplom und Magister auf Bachelor und Master, hat es vernehmlich gescheppert und gerumpelt. Jetzt hat niemand den Bachelor richtig lieb. Viele Studenten nicht, weil sie klagen, sie müssten in weniger Zeit das gleiche Pensum durchackern wie ihre ausdauernderen Vorgänger in den “alten” Studiengängen. Die Dozenten und Professoren auch nicht, weil sie ihre Lehre neu strukturieren und mit dem unhandlichen Bewertungssystem aus Punkten und Pünktchen jonglieren sollen. Und mit dem Bachelor, diesem Abschluss light für Dünnbrettbohrer, gleich nach sechs Semestern auf den Arbeitsmarkt? Da lacht doch der Arbeitgeber.

Kurzum: Die Bachelor-Einführung ist “von vorn bis hinten Murks”, ein glatter Schuss in den Ofen, isn’t it?

Ist es nicht, sagt Harald Schomburg. Der Kasseler Hochschulforscher mag solchen Pessimismus nicht mehr hören. “Bachelor – geht doch” lautet die Botschaft Schomburgs und seines Kollegen Ulrich Teichler. Und so steht es auch in einer Untersuchung, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde: Es ist die größte Absolventenstudie, die es zu den neuen Abschlüssen bisher in Deutschland gibt – und eine der größten Absolventenstudien überhaupt.

Der Bachelor kann was, jedenfalls ist er deutlich besser als sein Ruf, davon sind die Forscher überzeugt. Auskunft über ihr Studium und vor allem den Berufsstart gaben rund 35.000 Absolventen von 48 Unis und Fachhochschulen des Prüfungsjahrgangs 2007; befragt wurden sie Ende 2008, also geraume Zeit nach dem Abschluss. Ein Viertel davon hatte mit dem Bachelor, jeder Fünfte mit einem Master sein Studium beendet, die übrigen mit Diplom- oder Magisterabschluss. Die Ergebnisse werden in dem Werkstattbericht des Kasseler Instituts Incher unter dem Titel “Generation Vielfalt” veröffentlicht werden.

Bachelor-Absolventen kommen “fast normal” in den Job

Die Forscher wollten wissen: Welcher Anteil der Absolventen studiert nach dem Abschluss weiter, wie viele schaffen es in einen Vollzeitjob? Wenn sie arbeiten, zu welchen Konditionen – und wie zufrieden sind sie mit ihrem Beruf? Zudem: Was verdienen die Absolventen?

Das Ergebnis nimmt, nach Auffassung von Schomburg und Teichler, vor allem jenen Kritikern den Wind aus den Segeln, die Bachelor-Absolventen generell als untauglich für den Arbeitsmarkt einstufen. Für Bachelor-Absolventen gebe es einen “fast normalen” Übergang in den Beruf, gemessen am allgemeinen Wehklagen gehen es dieser Absolventengruppe “bemerkenswert gut”. So suchten die Absolventen des neuen Abschlusses im Schnitt gut drei Monate nach einer Stelle, genauso lange wie Magister- oder Diplom-Absolventen. Und beinahe ebenso oft, nämlich 86 Prozent, haben sie einen Vollzeitjob.

Erhoben wurden die Daten Ende 2008, zu einer Zeit also, als die Wirtschaftskrise gerade erst richtig ins Rollen kam, schränkt Mitautor Schomburg ein. Wie es den Absolventenjahrgängen des Jahres 2008/2009 erging, die kurz vor oder mitten in der Rezession die Hochschule verließen, darüber kann die Studie nichts aussagen.

Drei Viertel bleiben lieber an der Uni

Fast drei Viertel der Uni-Absolventen in Bachelor-Studiengängen wagen sich jedoch nicht sofort in die Arbeitswelt, sondern studieren weiter und streben den Master-Abschluss an; ein Teil arbeitet und studiert gleichzeitig (22 Prozent). Am ehesten begnügen sich noch Wirtschaftsabsolventen mit einem Bachelor – hier ging knapp die Hälfte nach dem ersten Abschluss in den Beruf.

Arbeitslos gemeldet sind anderthalb Jahre nach dem Bachelor nur drei Prozent, was dem Durchschnitt aller Absolventen entspricht, egal mit welcher Abschlussart. Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei den FH-Absolventen mit Bachelor: Über die Hälfte ist erwerbstätig (58 Prozent), nur ein Drittel studiert nach dem Bachelor weiter, die Arbeitslosenquote liegt bei geringen vier Prozent.

All das bedeutet für Bachelor-Studenten: Ja, auch ihr können auf dem Arbeitsmarkt reüssieren – die Wirtschaft hatte ja schon im Zuge der Bachelor-Umstellung “Bachelor Welcome”-Grüße geschickt. Bleibt nur die Frage: Zu welchen Konditionen?

Erwartbar bitter sind die Aussichten von Berufseinsteigern mit Bachelor-Abschluss beim Gehalt: Der Uni-Absolvent mit klassischem Abschluss oder Master verdient nach 18 Monaten durchschnittlich 2800 Euro brutto pro Monat. Bachelor-Absolventen indes liegen ganze 20 Prozent darunter, verdienen also 560 Euro pro Monat weniger als Berufsanfänger mit Magister, Diplom oder Master. Der FH-Bachelor muss auf 15 Prozent Einkommen im Monat verzichten. Ein Durchschnittsverdienst über alle Fächer hat allerdings nur bedingt Aussagekraft. Die Gehälter klaffen je nach studiertem Fach einfach zu weit auseinander, egal wie der Abschluss heißt, betonen die Autoren.

Endgültig abgerechnet wird 2015

Ein weiterer Minuspunkt: Vollzeit arbeitende Bachelor-Absolventen von Universitäten sind deutlich seltener unbefristet beschäftigt als Hochschulabgänger aller anderen Abschlussarten. Etwa jeder Zweite muss sich daher Sorgen machen, binnen Jahresfrist seinen Job zu verlieren. Ihrer Ausbildung angemessen beschäftigt fühlen sich drei Viertel der Uni-Bachelor-Absolventen – ein Wert, der teils deutlich unter dem anderer Abschlüsse liegt.

Trotz der Abstriche bei Gehalt und Jobsicherheit – Absolventen des neuen Abschlusses sind keineswegs unglückliche Arbeitnehmer: Bei der Berufszufriedenheit liegen sie mit allen anderen Abschlussarten etwa gleich auf, je zwei Drittel der Absolventen gefällt ihr Beruf.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), die Anti-Bachelor-Proteste bei Studentendemos vor einigen Monaten als “gestrig” geschmäht hatte, sieht die Studie als “erfreulichen Beweis”, dass man mit der vor zehn Jahren beschlossenen Bologna-Studienreform den richtigen Weg eingeschlagen habe.

Ein Rest Unsicherheit bleibt, das sehen auch die Autoren so: So richtig Bilanz ziehen könne man frühestens 2015, also dann, wenn Bachelor und Master die alten Abschlüsse gänzlich ersetzt haben. Damit der Anteil derer, die nach dem Bachelor weiterstudieren, sinkt, müsste der Hochschulzugang erleichtert und die Akzeptanz bei Arbeitgebern erhöht werden, heißt es in der Studie.

Source: Tiz, C. (2009), “Wer wenig erwartet, wird nicht enttäuscht” Spiegel Online [online]. Available at: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,653950,00.html [Accessed on 24 November 2009]

Advertisements

Please leave comments and feedback here

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: